Pilze – neue Wege für die Welternährung

Viele Speisepilze lassen sich auf Reststoffen wie Bananenblättern, Hirse- oder Reisstroh kultivieren.

Die Pro Kopf zur Verfügung stehende Nutzfläche zur Produktion von Nahrungsmitteln geht seit Jahren weltweit zurück. Zugleich wächst die Weltbevölkerung stetig an. Bis zum Jahr 2050 Werden wir nach heutigen Schätzungen bis zu 60 % mehr Lebensmittel produzieren müssen um die Menschen zu ernähren. Das ist eine unglaubliche Herausforderung, die auf gewohnten Wegen nicht zu bewältigen sein wird.

Pilze könnten bei der Lösung des Ernährungsdilemmas eine wichtige Rolle spielen. Das jedenfalls glaubt Pilzforscher Prof. Jan Lelley vom Institut für Pilzforschung GAMU in Krefeld. Pilze könnten beispielsweise auf Reststoffen wachsen, die bisher für die Ernährung kaum eine Bedeutung hatten.

Selbst in den ärmsten Regionen der Welt fallen derartige Reststoffe an: Bananenblätter, Hirsestroh, Reisstroh, aber auch Kaffeepulpe, Baumwollabfall, Maisstängel oder Zuckerrohr-Reste. Reisstroh beispielsweise summiert sich zu einer jährlichen Menge von über 800 Mio. t Trockenmasse. Darauf könnten 320 bis 540 Mio. t Austernpilze, knapp 400 bis 760 Mio. t Champignons oder 350 bis 450 Mio. t Shiitake-Pilze heranwachsen. Die insgesamt auf derartigen Stoffen erzeugbare Pilzmasse könnte bis zu 2 Mrd. Tonnen betragen. Zum Vergleich: Die weltweite Getreideproduktion wird für die Saison 2019/2020 auf 2,7 Mrd. Tonnen geschätzt.

Bananenblätter, Kokosfasern oder Hirsestroh sind für Pilzarten der Gattung Pleurotus von besonderer Bedeutung, zu denen auch die bei uns beliebten Austernpilze und Kräuterseitlinge gehören. Sie „knacken“ das Lignin, das die Pflanzenfasern verholzt, und ernähren sich davon. Nach der Ernte der Pilze bleibt Zellulose zurück, die nun so weich ist, dass sie als Tierfutter verwendet werden kann. Statt der ursprünglich 40 % verdaulicher Anteile sind es nun 80 % der pflanzlichen Reststoffe. Die Pilze sorgen also auch für eine deutliche Verbesserung des Viehfutters in den ärmeren Regionen. Klimatische Probleme mit den Pleurotus-Arten sind nicht zu befürchten. Sie existieren weltweit in großer Variabilität angepasst an nahezu alle Klimazonen.

Egal ob Austernpilze, Champignons, Shiitake-Pilze oder andere kultivierbare Speisepilz-Arten, immer ergänzt ihr hochwertiges Pilzeiweiß die mineralstoffarmen Grundnahrungsmittel, die in den ärmeren Regionen der Welt die Ernährung bestimmen. Pilze gleichen mit ihrem Kalium, Calcium, Kupfer, Eisen, Zink, Selen, Magnesium den Mineralstoffmangel aus. Sie liefern Vitamine B2, B3, Biotin, Pantothensäure und Folsäure und stabilisieren so die Gesundheit und Vitalität der Menschen.

Canford Chiroro, Dozent und Entwicklungsberater an der Universität von Simbabwe, beschäftigt sich schon seit Jahren mit der Pilzproduktion in ländlichen Regionen von Simbabwe, Tansania und Malawi. Sie könnte nach seiner Ansicht eine Lösung für die Verringerung der Armut sein. Anders als bei vielen anderen landwirtschaftlichen Produkten sind die Kosten für die Pilzproduktion gering, denn es werden keine Düngemittel, Maschinen und Pestizide benötigt und die Kulturverfahren lassen sich gut an die bestehenden Verhältnisse anpassen. Chiroros Erfahrung: „Die Bauern in Simbabwe, die Weizen oder Mais anbauen, benötigen im Durchschnitt 4 Monate, um Erträge einfahren zu können. In der Zeit können mindestens zwei Austernpilzkulturen angelegt und beerntet werden.“ Quelle (BDC/GMH)